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KULTURREVOLUTION

Fast Food Nation

Hollywood setzt auf Diät. Man sucht Distanz zu den Fast-food-Ketten. Nachdem der Dokumentarfilm „Super Size Me“ endlich bewies, daß deren Imbißangebote dick machen, wurde auch das ähnlich gewichtende Sachbuch „Fast Food Nation“ zu einem Spielfilm fiktionalisiert.

Greg Kinnear eröffnet den Film als ein Marketing-Typ bei der Burgerkette „Mickey’s“, der gerade den neuen Burger „The Big One“ promotet. Entscheidend sei der Geschmack: Er riecht an einem kleinen Fläschchen: „Wow, schmeckt wie frisch vom Grill!“ Ein Labortechniker im weißen Kittel fragt: „Soll ich flüssigen Rauch oder so einmischen?“ Nein, es ist perfekt!

Aber leider steht auch fest, daß der Fäkalienanteil im Fleisch zu hoch ist, und als Kinnear nach Colorado fährt –der Scheiße auf der Spur, quasi– erfahren wir, wie verschiedenste Menschen zu Opfern der Fast-Food-Industrie werden: Scheißessen, Scheißjobs, Scheißkonzerne, und richtige Scheiße in den Burgers.

Ganz viele Figuren kommen und gehen, ohne daß interessante Sachen mit ihnen geschehen: Mexikanische ImmigrantInnen überqueren die Grenze, um in einem riesigen Schlachthof zu arbeiten; nervige StudentInnen träumen davon, Kühe zu befreien; Teenager schuften am Grill und planen einen Überfall auf den Laden; Familien diskutieren über Lebensperspektiven ohne irgendeinen erkennbaren Bezug zu Fast food. Ein netter Rancher beschwert sich, daß die Fleischhändler zu mächtig sind – dann sehen wir ihn nie wieder. Ihre Geschichten bleiben unverbunden. Vermutlich sollten nur ein paar Berühmtheiten für die Promotion des Films auftauchen: Patricia Arquette, Bruce Willis, Ethan Hawke usw.

Ein solcher Ansatz muß zwangsläufig auf dem Schlachthof enden: Ja, es ist ganz schön ekelig, wenn Blut literweise aus dem noch lebenden Rind spritzt. Aber soll das die große Enthüllung sein? Den Figuren im Film jedenfalls passiert nichts. Am Ende erinnert der Film stark an ein Essen bei McDonald’s: Man hat viel konsumiert, ist aber nicht satt. Von Anfang bis Ende schmeckt alles gleich, und man kann sich an keiner Stelle aufregen. Andererseits zeigt „Fast Food Nation“, daß das sterile, gleichförmige Leben in den US-amerikanischen Vorstädten an sich schon tragisch genug ist. Man hat keine Energie mehr übrig, um sich eine Geschichte auszudenken. Die Fast-Food-Ketten bieten leider keine an.

//von Wladek aus Kreuzberg //REVOLUTION Nr. 23

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